Besonderes
Der Name Utah leitet sich vom Volk der Ute ab, das auf dem Colorado Plateau beheimatet war. Die nomadischen Jäger- und Sammler gelangten als einer der ersten Plain-Stämme in den Besitz von spanischen Pferden zur Jagd auf Bisons. Ausgrabungen um den grossen Salzsee belegen aber auch den Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis von 100 vor bis 1’350 nach Christus durch sesshafte Völker. Diese spezielle, als «Fremont-Kultur» bezeichnete, Lebensweise verschwand jedoch aufgrund von veränderten, trockeneren Klimabedingungen wieder. Es waren vorwiegend europäische Siedler aus den Vereinigten Staaten, die dieses unwirtliche, ehemals spanische und später mexikanische Randgebiet besetzten. Insbesondere waren es viele Mormonen, die vor Ausgrenzung und Verfolgung hierher flohen. Heute machen sie noch knapp die Hälfte der Bevölkerung von Utah aus. Das Territorium wurde, bedingt durch Streitigkeiten mit der mormonischen Gemeinschaft (Name, Polygamie) erst 1896, als 45 Bundesstaat der USA gegründet. Über 80% der Bevölkerung lebt an der Westflanke der Wasatch Gebirgskette, einem Ausläufer er Rocky Mountains, welche den Staat in Nord-Südrichtung durchzieht. Diese Gebirgskette teilt das Land auch geografisch in das östliche Colorado-Plateau und das Basin und Range im Westen.
Mit dem einzelnen Wort «Industry» für Fleiss und dem Bienenstock auf ihrer Staatsflagge bekennt sich Utah zur harten Arbeit und dem Pioniergeist der Bewohner. Im extremen Steppenklima mit heissen Sommern bei Temperaturen über 30°C sowie kalten, schneereichen Wintern ist das Leben nicht einfach. Das Überleben der ersten Einwanderer hing vom eigenen Fleiss, der Sparsamkeit und der Ausdauer aber auch von der gegenseitigen Unterstützung ab. Eine solche Gemeinschaft vermochte Industrien zu schaffen die Bestand haben und wachsen – so die Idee(ologie). Der weltweite Hauptsitz der Mormonen liegt in Salt Lake City wo auch der grösste Tempel steht. Die Kirche hat auch heute noch einen grossen Einfluss auf die Kultur, die Politik und das tägliche Leben. So ist etwa der Konsum von Alkohol, Kaffee oder Tee an bestimmte Regeln gebunden oder das Glücksspiel untersagt. Seit den 1990er Jahren ist der Staat Utah in der Religion doch einiges vielfältiger und auch weltlicher geworden. Utah verfügt über eine stark diversifizierte Wirtschaft, zu deren wichtigsten Sektoren Verkehr, Bildung, Informationstechnologie und Forschung, öffentliche Dienstleistungen, Bergbau, Multi-Level-Marketing und Tourismus zählen.
Zion Nationalpark
Freitag der 15. Mai 2026, bei sonnigem Wetter und Temperaturen über 30°C fahren wir auf der State Route 56 in Richtung Modena im Iron County. Wir sind zum ersten Mal im Bundesstaat Utah. Die Landschaft verändert sich zusehends, je näher wir der Wasatch Front kommen. In diesem semiariden kalten Steppenklima wird Ackerbau betrieben. Wir sehen grosse, kreisrunde, bewässerte Flächen, die selbst auf Satellitenbildern zu erkennen sind. In diesem County soll der «gerechte Zweig», eine fundamentalistische Abspaltung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), noch aktiv sein. Sie setzt sich nach wie vor für die Priesterweihe nur für Weisse und die Polygamie ein. Bei Beryl Junction biegen wir auf die State Route 18 ab, welche uns durch Berge nach Süden führt. Beim «Mountain Medows Memorial» legen wir eine Pause ein. An diesem Ort ereignete sich im September 1857, während des Utah Konfliktes mit den USA, ein Massaker. Etwa 120 Siedler aus Arkansas wurden von Mormonen und Paiute überfallen und letztlich ermordet. Eine tragische Geschichte bei der nur gerade 17 Kleinkinder überlebten. Wir fahren weiter über den Red Hills Parkway mit grandiosem Blick auf St. George. Im Vorort Washington kaufen wir bei Walmart ein. Nach 206 Tageskilometern erreichen wir über die State Route 9 in Richtung Zion Nationalpark unseren Übernachtungsplatz bei Virgin.
Das Wochenende verbringen wir direkt am Bachlauf des North Creek, auf BLM-Land an der Kolob Terrace Road. Im Bach tummeln sich zu unserer Freude noch jede Menge Jungfische, Bachkrebse und andere Wassertiere. Schön ist es hier, unter den Laubbäumen, rund 25 Kilometer entfernt vom Nationalpark, weshalb sich auch viele andere Camper hier einfinden. Nach den starken Windböen und dem Sandsturm vom Sonntag, klart das Wetter wieder auf. So können wir am Montag in aller Frühe unseren ersten Besuch im Nationalpark begehen. Kiara bleibt mit unserem Wiwomo auf dem gut belegten Parkplatz für Wohnmobile beim Besucherzentrum. Sabine und Roger fahren mit dem Shuttlebus zur Lodge inmitten des Zion Nationalparks. Eine 3-stündige Rundwanderung bringt die beiden in die Berge zu den drei Emmerald Pools (Wasserfälle). Sie werden belohnt mit einem phantastischen Ausblick auf die Landschaft und die Berge. Dabei begegnen sie auch amerikanischen wilden Truthühnern und vielen Grauhörnchen. Nach einer weiteren Shuttlefahrt zum «Temple of Sinawa» wandern Sabine und Roger tiefer in die immer enger werdende Schlucht. Irgendwann kann man jedoch nur noch durchs kalte Wasser laufen. Dies überlassen die beiden aber den speziell ausgerüsteten Wasserläufern in ihren grauen «Strampelhosen» und dem Wanderstab. Am ende des Tages fahren wir erschöpft und voller Eindrücke nach Virgin zurück wo wir nochmals übernachten.
Am Dienstag fahren wir erneut um 7 Uhr Morgens zum Zion Nationalpark damit wir noch einen Parkplatz erwischen. Es ist ziemlich Frisch (5°C) an diesem Morgen. Zusammen mit Kiara haben wir uns jedoch für eine Wanderung entlang des Virgin River entschieden. Der Pa’rus Trail für Wanderer, Hunde und Radfahrer führt vom Besucherzentrum bis zur Canyon Junction Bridge. Schautafeln am Weg enthalten viele Informationen über die Entstehung des Canyons, die Geologie, die Flora und Fauna und die Lebensweise der Bewohner. Mit der Sonne wird es gegen 9 Uhr spürbar wärmer. Jetzt begegnen uns auch Horden von Amerikanern auf ihren Elektrofahrrädern, mit und ohne «Strampelhosen». Auf halber Strecke führt auch ein Abstecher zum interessanten kleinen Museum des Parks. Gegen 10 Uhr sind wir zurück beim Wiwomo wo wir uns einen kleinen Brunch gönnen. Am Vortag haben wir uns eine Genehmigung für die Durchfahrt durch den Zion Mount Carmel Tunnel besorgt. Wir winden uns mit unserem Wiwomo die Bergstrasse hinauf. Die Tunneleinfahrt wird durch die Ranger im Einspurigen System geregelt. Der kleine Tunnel wurde nach 3 jähriger Bauzeit im Jahre 1930 Fertiggestellt und war zu seiner Zeit mit 1,7 km Länge der längste nicht-städtische Strassentunnel in Amerika. Am Tunnelausgang, auf dem Bergmassiv des Mount Carmel, auf rund 1’600 – 1’800 m ü.M geniessen wir ein ganz anderes Panorama an geschliffenem Sandsteinfelsen.
Mountain Medows Memorial, Bachlauf des North Creek, Zion Nationalparks, Virgin River, Strampelhosen, Zion Mount Carmel Tunnel
Bryce Canyon Nationalpark
Zwei Nächte, vom 19. – 21. Mai, verbringen wir am Rande des Mount Carmel. Auf einer Bergkuppe an der Forststrasse 1620 gibt es einen freien Platz für Camper wo wir noch einmal einen einzigartigen Ausblick auf das bewaldete Bergmassiv geniessen. Am Donnerstag führt uns die State Route 9 nach kurzer Fahrt nach Mount Carmel Junction. Dort folgen wir dem Highway 89 rund 70 Kilometer nach Norden, in einem durch Landwirtschaft und Hochmoorlandschaften geprägten Tal. Die Feuchtwiesen und der mäandrierende kleine Fluss neben der Strasse sind hübsch anzusehen. Die Abzweigung auf den Highway 12 nach Osten führt uns nun durch den spektakulären Red Canyon. Der nur 15 Kilometer westlich gelegene «kleine Bruder» des Bryce Canyon bietet uns markante, beeindruckende tiefrote Sandsteinformationen. Schon haben wir die Touristenstadt Bryce Canyon City erreicht und steuern dem Visiter Center des Nationalparks zu. Auf unserer rund 120 Kilometer langen Fahrt haben wir stetig an Höhe gewonnen und sind nun auf rund 2’400 Metern (7777 ) feet angelangt. Die Tagestemperaturen sind mit 19°C bei leichter Bewölkung immer noch angenehm. Nachts kann es aber doch recht frisch werden. Zum Übernachten finden wir einen guten Platz im Daves Hollow Kiefernwald des Dixi National Forest.
Das Besondere am Bryce Canyon Nationalpark auf dem Colorado Plateau, sind die farbigen Felspyramiden, die sogenannten Hoodoos, an der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus (in der Sprache der Paiute-Indianer, Heimat des Bibers). Diese tektonische Kante erstreckt sich über eine Länge von über 30 Kilometern auf einer Höhe zwischen 2‚400 und 2‚750 Metern. Die Hoodoos oder Anka-ku-wass-a-wits, was in der uto-aztekischen Sprache der Paiute soviel wie rot angemalte Gesichter bedeutet, sind durch Wind, Wasser, Eis und Erosion des Sandsteins entstanden. Gemäss den Beschreibungen soll es im Nationalpark eine grosse Fülle an Pflanzen und Tieren geben. Selbst haben wir nur wenige Tiere wie etwa die Golmantelziesel, ein Streifenhörnchen, den Diademhäher und natürlich Raben gesehen. Biber gibt es in diesem von Menschen genutzten und geformten Gebiet längst nicht mehr. Ebenezer Bryce, ein schottischer Einwanderer, wurde von den Mormonen 1875 hierher geschickt um das Land zu erschliessen, Strassen zu bauen, Bäume zu fällen und auch die Leute zu missionieren. Der Bau eines Kanals und damit die dauernde Besiedlung scheiterte aber bereits nach 5 Jahren, bedingt durch die ständigen Überflutungen, gefolgt von Trockenperioden. Die Paiute Indianer nutzen das Gebiet schon längst nicht mehr als Jagdrevier. Die rund 1‚000 Stammesmitglieder sind heute in mehreren kleinen Reservaten im Südwesten von Utah angesiedelt und seit 1980 wieder rechtlich anerkannt.
Für Wohnmobile gibt es einen separaten kleinen Parkplatz gegenüber dem Visiter Center. Darin befindet sich ein kleines interessantes Museum, eine Information zum Park und ein grosser Souvenirshop. Obwohl die Hauptsaison noch nicht eröffnet ist, gibt es doch einige Besucher aus Nah- und Fernost. Ein Shuttlebus führt Sabine und Roger am Freitag zum grössten nach Osten hin offenen, halbkreisförmigen Felskegel, einem «natürlichen Amphitheater» wie es vom Nationalpark umschrieben wird. Dort besuchen sie mehrere Aussichtspunkte und geniessen das phantastische Panorama. Roger kann es wieder einmal nicht lassen und steigt auf dem Navajo Loop Trail hinunter, durch das spektakuläre rote Felsenlabyrinth ins rund 170 Meter tiefer gelegene Tal und in einem Rundweg wieder Steil nach oben. Zurück im Wiwomo freut sich Kiara auf die Rückkehr der beiden und auch auf das Mittagessen. Am Nachmittag fahren wir mit unserem Wohnmobil dem Scenic Drive entlang bis zum Endpunkt, dem Rainbow Point. Auf dem Weg halten wir an verschiedenen Aussichtspunkten, damit Sabine viele spektakuläre Fotos schiessen kann. Gegen Abend suchen wir uns erneut einen Stellplatz im National Forest ausserhalb des Nationalparks. Hier verbringen wir ein ruhiges beschauliches Pfingstwochenende mit Lagerfeuer, Grillfleisch, Wein, selbstgebackenem Kuchen und Brot.
Red Canyon, 7777 Feet, Bryce Canyon Nationalpark
Capitol Reef Nationalpark
Um in unserem Zeitplan zu bleiben, verlassen wir am Pfingstmontag 25. Mai, den Bryce Canyon mit dem Ziel Capitol Reef Nationalpark. Dabei folgen wir aber nicht der touristischen Scenic Bayway Nummer 12. Diese führt durch atemberaubende wechselnde Landschaften mit unberührten Wüsten, steilen Felsklämmen, grünen Wäldern und historischen Bergdörfern. Die Bergstrasse ist aber länger, kurvenreicher, mit Höhen bis 2’700 Metern und benötigt damit auch mehr Zeit und Treibstoff. Stattdessen nutzen wir die flachere Strecke über die Johns Valley Road, sowie die State Routes 22 und 62 nach Norden. Diese Route ist Landschaftlich nicht weniger attraktiv, durchquert Wüsten, offenes Weideland mit Rindern, enge grüne Canyons, hübsche landwirtschaftliche Siedlungen und führt uns am Otter Creek Stausee vorbei. Nach Koosharem fahren wir auf den Highway 24 in südöstlicher Richtung nach Torrey. Im idyllischen kleinen Ort, mit rund 230 Einwohnern und 13 Kilometer vor dem Eingang zum Nationalpark, findet man viele Restaurants. Auch wir verpflegen uns nach der langen Fahrt, typisch amerikanisch, mit unseren Sandwichs und einem Burger. Nach dieser Pause besuchen wir das Visiter Center im Capital Reef Nationalpark, holen uns Informationen zum Park und fahren zurück nach Torrey um nach 208 Tageskilometern auf BLM-Land zu übernachten.
Das besondere am Capitol Reef ist die bunt leuchtende Farbpalette der Sedimente aus Sandstein, Kalkstein und Schiefer die sich mit dem Sonnenlicht verändert. Über Millionen von Jahren haben geologische Kräfte die Erde geformt, gehoben und gefaltet. Eine 150 Kilometer lange einseitige Faltung der Erdkruste, die Waterpocket-Falte, wurde durch Ablagerung, Anhebung und Erosion geschaffen. Die Wassertaschen die dabei entstanden, ermöglichen unterschiedliche Lebensräume, in einer ansonsten leblosen Steinwüste. In diesem Wüstenhochland, in einer Höhe von 1’150 bis 2’500 Metern, gibt es 33 ökologische Systeme mit Wäldern, Wiesen, Flussuferhabitaten, Strauch- und Ödland. Auch Menschen haben sich seit etwa 2’000 Jahren an den fruchtbaren Ufern des Fremont River und anderen Bächen niedergelassen. Petroglyphen (Felszeichnungen) erinnern heute noch an diese «Fremont-Kultur». In den 1880er Jahren gründeten die Mormonen die Siedlung Fruita am Zusammenfluss von Fremont River und Sulphur Creek. Die kleine landwirtschaftliche Gemeinde lebte vom weithin bekannten Obstanbau und der Viehhaltung. Im Nationalpark können die Obstgärten, das Schulhaus, die Schmiede und die Gifford Farm aus der Pionierzeit besichtigt werden.
Nach einer regnerischen Nacht befahren wir am frühen Dienstagmorgen den Nationalpark auf dem 13 Kilometer langen geteerten Scenic Drive bis zur Capitol Gorge Schlucht. Auf der Fahrt geniessen und bestaunen wir die Felslandschaft. Leider ist der Himmel noch leicht bewölkt, weshalb das Farbenspiel wohl nicht so recht zur Geltung kommt. Zurück in der grünen Oase Fruita machen wir Pause und sehen uns die alte Siedlung an. Das Gifford Haus ist zum Museum mit Souvenirshop und Kuchenbäckerei umfunktioniert, wo wir eine sehr süsse «Cherry Tarte» kaufen. Da wir in diesem riesigen Gebiet (ohne Kiara) nicht Wandern wollen, beenden wir hier unseren Nationalparkbesuch und begeben uns auf die Weiterreise. 274 Tageskilometer werden es am Ende des Tages sein. Dazu folgen wir der State Route 24 entlang des Fremont River nach Osten. Auf der ersten Etappe von nahezu 100 Meilen (160 Kilometer) durch meist staubtrockene Steinwüste bis Green River will man wohl keine Panne haben. Nur gerade zwei kleine landwirtschaftliche Siedlungen (Caineville und Haksville) haben wir durchfahren. In Green River, am gleichnamigen Fluss, füllen wir unsere leeren Dieseltanks auf. Über die Interstate 70 und den Highway 191 fahren wir in Richtung Moab weiter durch die Steinwüste. Die Zufahrtsstrasse zum Canyonland Nationalpark und zum Dead Horse State Park (State Route 313) bringen uns zu unserem Übernachtungsplatz auf BLM-Land auf der Anhöhe von Lone Mesa.
Capitol Reef Nationalpark, grüne Oase Fruita, staubtrockene Steinwüste
Arches Nationalpark
Wie der Name schon verrät ist Lone Mesa eine alleinstehende Hügellandschaft auf einer Hochebene. In diesem Niemandsland ist das Campen auf ausgewiesen Plätzen bis 14 Tage gestattet. Ein idyllischer ruhiger Stellplatz mit Weitsicht belohnt unsere Anfahrt am Dienstag Nachmittag auf der steinigen 5 Kilometer langen unbefestigten Strasse. Von hier aus erreichen wir in etwa 32 Kilometern den Arches Nationalpark. Der Canyonland Nationalpark und der Dead Horse State Park mit einem phantastischen Blick auf die Canyons von Green und Colorado River sind auch nicht weit entfernt. Am frühen Mittwoch Morgen den 27. Mai fahren wir zum Arches Nationalpark. Im Besucherzentrum informieren wir uns über den Park, erkunden das kleine Museum und sehen uns im Kino den Film «Windows in Time» an. Damit ist eine Zeitreise über Millionen von Jahren bis zur Entstehung der typischen Steinbögen (Arches) im Park gemeint. Kiara hat während dessen brav im Auto gewartet. Nun ist es für uns Zeit diese einzigartige Landschaft selbst zu erkunden. Da Kiara nicht auf die Trails darf und Temperaturen über 30°C gemessen werden, begnügen wir uns mit Fahrten zu den Parkplätzen der wesentlichen Attraktionen mit kurzen Wanderungen (Immerhin 145 Tageskilometer).
Der Arches Nationalpark liegt, wie die anderen Nationalparks die wir besucht haben, auf dem Colorado Plateau, einem steinigen Hochtal welches vom Colorado River entwässert wird. Im Park sind über 2’000 Steinbögen mit einer Öffnung von mindestens 90 cm (3 Fuss) nachgewiesen. Für die Entstehung der Steinbögen ist die Kombination aus unterirdischen Salzlagern, dem heterogenen Sandstein und der grossen Meereshöhe mit extremem Klima verantwortlich. Nicht etwa fliessendes Wasser, wie man vermuten würde, sondern alleine Wind und Wetter verursachten die Erosion an den weicheren Sandsteinschichten. Das wiederum führt zu den immer grösser werdenden Löchern im Fels bis sie schliesslich in sich zusammenbrechen. Der 300 km² grosse Park auf durchschnittlich 1’500 Metern über Meer ist vom Wüstenklima geprägt. An Bach und Flussläufen ist menschliches Leben möglich, wie etwa durch Petroglyphen der Ute-Indianer oder die Hütte der Familie Wulfe am Delicate Trail belegen. Die Flora hat sich an die schwierigen Lebensbedingungen im Park bezüglich der Trockenheit und der extremen Temperaturen angepasst. Moose und Flechten spielen dabei eine wichtige Rolle als «lebender Bodengrund» für andere Pflanzen und Tiere.
Nach dem Nationalparkbesuch finden wir noch Zeit um in Moab unsere Wassertanks aufzufüllen und Lebensmittel einzukaufen bevor es zum Übernachtungsplatz auf Lone Mesa geht. In Utah gibt es nur wenige Supermärkte wie Walmart und erst recht keinen Aldi. Dementsprechend teuer fällt auch der Einkauf aus. Oder sind die Preise etwa generell gestiegen? Nach einer ruhigen Nacht auf dem Lone Mesa Group Campgroud, näher an der geteerten Strasse, stimmen wir am Donnerstag mit zwei zu eins zu, an den Colorado River zu fahren. Roger und Kiara wollen wieder einmal Bäume und Wasser sehen. Sabine fährt uns die 77 Kilometer über Moab dem Fluss entlang nach Dewey. Der kleine Ort diente bis zum Bau der ersten Brücke über den Fluss im Jahre 1916 als Fähranlegestelle. Die Fahrt im engen Canyon des sagenhaften Colorado River beeindruckt uns sehr. Der Fluss führt hier viel Geschiebe mit sich, ist entsprechend trübe, aber immer noch kalt. Neben den vielen Campgrounds entlang des Flusses, gibt es in der heutigen Geisterstadt Dewey vier kostenfreie Stellplätze. Da wir früh unterwegs sind können wir uns den schönsten Platz unter grossen Eschen Bäumen aussuchen. Hier bleiben wir für zwei Tage bis zum Samstag, geniessen die grüne Natur, das Wasser, den Wind und das Wetter.
Lone Mesa, Arches Nationalpark, Colorado River
Auf nach Salt Lake City
Samstag der 30. Mai, wir fahren den Scenic Byway 128 nach Norden und verlassen den Colorado River. Wo kein Wasser, da verliert sich schnell die Vegetation und Steine dominieren die Landschaft. Auf der Interstate 70 West geht es weiter, in einer weiten kargen Sand- und Steinwüste, nach Green River. An der Pilot Truckstop Tankstelle füllen wir Diesel und DEF für unser Fahrzeug nach und gönnen uns nach 100 Kilometern einen Kaffee. Danach bringt uns der Highway 191 nach Norden bis zum Ort Price, wo wir nach weiteren 100 Kilometern eine Rast einlegen. Im Schatten der Wasatch Gebirgskette, am Fluss Price, wird es grüner und auch Landwirtschaft ist hier wieder möglich. Nach Helper wechseln wir die Strasse und fahren auf dem Highway 6 in die Berge. Eine steile Strasse führt uns nach 228 Tageskilometern zur Price Canyon Recreation Area, einem abgelegenen Campingplatz auf einem Berggipfel im Wald. Wir sind hier nicht allein, auch andere Camper finden hier bis in die späte Nacht noch ein Nachtquartier. Warum sich immer wieder Leute in Dunkelheit und Kälte, in unbekanntem Terrain ein Nachtlager suchen und womöglich noch ein Zelt aufstellen, werden wir wohl nie begreifen. Wir sind immer wieder froh mit unserem kuschelig warmen Wiwomo frühzeitig einen guten Stellplatz aussuchen zu können.
Nach zwei Tagen in der Natur, fahren wir am Montag auf dem Highway 6 nach Nordwesten über den Soldier Summit (Pass, 2’279 m ü.M.) auf die Westseite des Gebirges. Wir befinden uns im Übergang des steinigen Colorado Plateaus im Osten, zum abflusslosen Great Basin im Westen und dem Gebirge der Rocky Mountains. Hier am Utah Lake und dem Great Salt Lake beginnt das Urbane leben. Die erweiterte Metropolregion beherbergt mit etwa 2.7 Mio. Einwohnern rund dreiviertel der Bevölkerung des Staates Utah. In Spanish Fork halten wir auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Walmart an um einzukaufen. Danach fahren wir über die Interstate 15 im dichten, stockenden Verkehr weiter über Provo, Orem, Amerikan Fork, Lehi, Bluffdale und so weiter von Stadt zu Stadt bis zu unserem Übernachtungsplatz bei der SaltFire Brewing mitten in South Salt Lake. Hier haben wir uns ein Bier verdient. Ja im Mormonenstaat Utah ist Alkohol seit 1988 legal in Brauereigaststätten erlaubt, auch wenn diese «offiziell» keinen Tropfen trinken. Im Gegensatz zum streng gläubigen Süden von Utah, soll es hier im Norden doch viele Brauereien und Destillerien mit teils abgefahrenem Gebräu geben. Am frühen Abend entführen wir uns selbst zum Taiwanesen und geniessen wieder einmal ein Restaurant ohne FastFood. Zurück im Wohnmobil sehen wir noch einen Krimi und gehen dann zu Bett.
Dienstagmorgen, der 2. Juni, unser letzter Tag im Staat Utah. Es ist zwar etwas knifflig, bei dem Verkehr, den Baustellen, Umleitungen, Einbahnen und Beschränkungen, mit unserem Wohnmobil durch Salt Lake Downtown zu fahren. Wir bekommen aber doch die fussgängerfreundliche Innenstadt mit den vielen Restaurants zu sehen. Die Stadttour führt uns auch am grössten Tempel der Mormonen vorbei. Der sakrale Bau aus Granit ist 64 Meter hoch mit einer Grundfläche von etwa 23‚500 m² und wurde zwischen den Jahren 1858 bis 1893 erstellt. Der Zutritt ist aber nur Gemeindemitgliedern mit einem gültigem Empfehlungsschreiben gestattet. Was darin genau passiert und wie die Rituale verlaufen, darüber dürfen die Gläubigen nicht sprechen (geheim). Weiter fahren wir noch am beeindruckenden Kapitol des Staates Utah auf einer Anhöhe am Fusse des Ensign Peak vorbei. Das im neoklassizistisch- korinthischen Stil erbaute Gebäude wurde zwischen 1912 und 1916 errichtet. Das naturhistorische Museum wäre zwar auch sehr interessant, sein Besuch benötigt aber einen ganzen Tag. So entfliehen wir der Metropole und fahren auf der wuseligen, mehrspurigen Interstate 15 noch Norden. Erst nach dem Rastplatz (Rest Area) bei Perry wird es ländlicher. Die nun zweispurige Strasse, führt uns vorbei an bewirtschafteten Feldern, Rinder- und Pferdefarmen bis nach Idaho.
Price Canyon Recreation Area , Salt Lake City
Rückblick
Vom 15. Mai – 2. Juni, also während 19 Tagen, haben wir den Staat Utah besucht. Auf einer Fläche die mehr als als 5-mal so gross wie die Schweiz ist, haben wir rund 1’680 Kilometer zurückgelegt. Etwa zweidrittel der Fläche sind von Wüsten- und Halbwüstenlandschaften geprägt. Da erstaunt die geringe Bevölkerungsdichte von rund 17 Einwohnern je Quadratkilometer kaum (vgl. Schweiz 228 Ew/km²). Allerdings kommen auch weitere 21 US-Bundesstaaten kaum auf 30 Einwohner pro km². Das hat uns schon erstaunt und lässt den Schluss zu, das ein grosser Teil von «beautiful America» doch eher unwirtlich sein muss. Genau diese steinigen Einöden in den verschiedenen Nationalparks waren unsere Hauptreiseziele. Und ja, diese Steinformationen wie sie da sind haben uns beeindruckt aber auch zum Nachdenken über die Zeit und das Wunderwerk Erde gebracht. Insofern können wir die indigenen Völker in Amerika verstehen, die ein ganzheitliches Verständnis für die Mutter Erde und dem Leben entwickelten. Wasser, ein Element das Leben erst ermöglicht bekommt hier eine besondere Bedeutung. So waren wir immer wieder verwundert in welcher Fülle Pflanzen und Tiere überall existieren können. Wasserläufe, wie etwa der Colorado- oder Green River waren denn auch für uns immer wieder willkommene Ruhezonen. Der Kontakt zu den Einheimischen beschränkte sich auf das übliche. Die Mormonen haben uns nicht bekehrt und die Amerikaner werden wohl kaum unsere liebsten Freunde.