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Das ist die Ursache, der Luftschlauch der Ladedruckanlage ist undicht

03.01_Mexiko – 1. Etappe – Baja California Nord 1. Teil

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Baja California

Besonderes Nord

Die präsidentielle Bundesrepublik Mexiko oder genauer, die vereinigten mexikanischen Staaten, umfasst 31 Bundesstaaten und wird zum grössten Teil (88%) dem Nordamerikanischen Kontinent zugeordnet. Einzig die Yucatan-Halbinsel wird geografisch Zentralamerika zugeordnet. Mit seiner Fläche von nahezu 2 Mio. Quadratkilometern gehört Mexiko zu den grösseren Ländern der Welt, unmittelbar nach Saudi Arabien und Grönland. In seiner Fläche würde die Schweiz rund 48 mal Platz finden. Im Nordwesten befindet sich die 1’200 km lange und 80 bis 220 km breite Halbinsel Niederkalifornien. Sie ist in die zwei Bundestaten Baja California und Baja California sur aufgeteilt. Entsprechend der Grösse von Mexiko ist auch sein Klima entsprechend vielfältig. So findet man hier ein Pacific- oder Wüstenklima auf der Baja, ein arides suptroisches Klima um den nördlichen Wendekreis, ein alpines Klima um den transmexikanischen Vulkangürtel (Citlaltépetl 5’636 m ü.M.) und ein tropisches Klima an der Karibikküste von Quintana Roo. Genauso vielfältig ist auch die Flora und Fauna in Mexiko. Hier findet man soviel unterschiedliche Arten von Reptilien, Säugetiere und Amphibien wie kaum in einem anderen Ort. Ebenso vielfältig sind seine Ökosysteme und die hohe Biodiversität, was Mexiko weltweit so einzigartig macht.

Eine Datierung der ersten Besiedlung des Landes dürfte etwa 22’000 Jahre zurück reichen. Mit Beginn des Ackerbaus (ab 1’500 v. Chr.) entstanden allmählich komplexere Kulturen wie Tolteken, Olmeken, Maya oder Azteken. Um 1500 n. Chr. waren die Azteken das beherrschende Volk im Gebiet des heutigen Mexikos. In den Jahren 1517 und 1518 erreichten die ersten spanischen Expeditionen unter Francisco Hernández de Córdoba und Juan de Grijalva die Halbinsel Yucatán. Das Aztekenreich wurde infolge gestürzt, missioniert und ein spanisches Königreich in der neuen Welt errichtet. Erst die Schwächung Spaniens während der Napoleonischen Kriege begünstigte die Unabhängigkeit Mexikos im Jahre 1821, nach einem 11 Jahre währenden Krieg. 1835 versuchten die Vereinigten Staaten von Amerika vergeblich, die Gebiete um Texas und Kalifornien von Mexiko abzukaufen. Diese führte im weiteren zur US-Invasion, dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und der schmerzlichen Gebietsabtretungen der heutigen Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah und Colorado an die Amerikaner. Mexiko, als Exportland ist wirtschaftlich heute noch stark von den USA abhängig, versucht aber diese durch Freihandelsabkommen mit anderen Ländern zu minimieren. Weitere nicht zu unterschätzende Probleme Mexikos bestehen in der hohen Kriminalität und der oft unzureichenden Trinkwasserversorgung.

Niederkalifornien, mit den beiden Bundesstaaten Baja California und Baja California sur umfasst eine Fläche von 143’396 km² und ist vom Pazifik- und vom Wüstenklima geprägt. Gerade im Süden ist es so trocken wie sonst kaum an einem Ort in der Welt. Die von Nord nach Süd verlaufende Gebirgskette Sierra San Pedro Mártir prägt die Halbinsel. Die meisten Bewohner leben in den grossen Städte Tijuana, Mexicali und Ensenada im Norden und La Paz im Süden. Die Berge sind kaum besiedelt und die vielen kleineren Orte dazwischen befinden sich meist an der Küste. Wirtschaftlich ist der Norden infolge der nähe zur USA stark durch die exportorientierte Fertigung geprägt. Weiter im Süden leben die Menschen zu einem grossen Teil von der Landwirtschaft, der Fischerei und dem Tourismus. Neben dem Wüstenklima mit den Kakteen und Reptilien sind die Wale und Delphine im Meer ein besonderer Attraktion für Reisende. Gerade im Golf von Kalifornien, oder auch «Mar de Cortés» genannt, gibt es neben der reichlichen Flora und Fauna noch die seltenen Schweinswale zu beobachten. Die Halbinsel ist zudem eines der sichersten Gebiete in ganz Mexiko.

Wappen Mex Baja
Orgelpfeifenkaktus

Grenzübertritt

Es ist Freitagmorgen der 6. Februar 2026 um 9 Uhr. Von unserem Übernachtungsplatz in Potrero fahren wir durch das Gebirge rund 10 Kilometer bis zur mexikanischen Grenzstation in Tecate. Dort werden wir von einem jungen Grenzbeamten angehalten und gebeten an der Seite zu parkieren. Dann will er unseren Fahrzeug- und Führerschein sehen. Mittels Handyübersetzer versucht er diese «seltsamen» Dokumente zu entziffern. Danach blickt er kurz noch in den Innenraum des Wohnmobils. Er kann zum Glück etwas englisch und erklärt uns anschliessend was wir als nächstes zu tun haben. Zuerst registrieren wir uns selbst beim Migrationsamt und versuchen dem nur spanisch sprechenden älteren Beamten zu erklären was wir in Mexiko wollen, wohin unsere Reise gehen soll und was der Grund unseres Besuches ist. Er händigt uns nun je einen ausgefüllten Zettel (FMM – Touristenkarte) aus mit dem wir in der Grenzbank (Banjercito) die Gebühr bezahlen und mit dem Beleg zu ihm zurück müssen. Nun stempelt er den FMM und den Pass und behält einen Abschnitt für sich. So, damit haben wir erstmals eine Einreisebewilligung und eine Touristenkarte für 180 Tage – wichtig, alle Belege aufbewahren und bei Ausreise abgeben.

Nun wollen wir noch für unser Fahrzeug eine Temporäre Einfuhrgenehmigung (TIP) in der Banjarcito beantragen. Diese soll für Wohnmobile 10 Jahre gültig sein und würde uns eine spätere Einreisen nach Mexiko erleichtern. Für die Baja California ist dies glücklicherweise nicht nötig. Hier beginnt allerdings der schweizerisch/mexikanische Systemärger. Schwer verständlich für den mexikanischen Beamten ist, dass unsere Schweizer Führer- und Fahrzeugausweise kein Ablaufdatum haben. Das nicht Roger sondern sein Sohn als Halter des Fahrzeuges eingetragen ist, gefällt ihm noch weniger. Denn jetzt benötigen wir eine Geburtsurkunde, die wir so natürlich nicht haben. Das wir nicht als Halter unseres eigenen Fahrzeugs registriert sind, hat seinen Grund in den Schweizer Bestimmungen zum Einlösen und Fahren unserer fahrbaren Wohnung (ohne festen Wohnsitz). In der Schweiz sind wir mit unserem Heimatort registriert und nicht mit dem Geburtsort (nicht identisch). Das kann durchaus für zusätzliche Verwirrung sorgen. Eine Geburtsurkunde wie in anderen Ländern ist für uns also nicht üblich. Versicherungsausweise und Kaufverträge auf unseren Namen, sowie die Vollmacht des Sohnes oder die Kopie der Identitätskarte nützen uns in diesem Fall auch nichts – eine internationale Geburtsurkunde muss beantragt werden.

Für unsere Hundin Kiara hat sich übrigens, wie schon in Kanada und den USA, niemand interessiert. Ebenso mussten wir unsere Dokumente zur Krankenversicherung oder der Motorhaftpflichtversicherung bisher noch nie vorlegen. Alles in allem waren wir etwa 1½ Stunden an der Grenzstation beschäftigt. Zur Durchfahrt auf die Baja California und die Stadt Tecate, werden unsere Einreisedokumente nochmals in Augenschein genommen. Da wir keinen TIP für das Fahrzeug haben fragt der junge Grenzbeamte nochmals kurz bei der Banjacito nach. Die Wege sind hier in Tecate erfreulicherweise kurz und gut zu Fuss erreichbar. In anderen Grenzstationen soll es gemäss unseren Informationen durchaus auch längere und kompliziertere Wege geben. Nun dürfen wir die Grenze passieren und befinden uns zum ersten Mal in unserem Leben in Mexiko. In Tecate besuchen wir zuerst einen Lebensmittelmarkt und stocken unsere Vorräte wieder auf. Denn frische Lebensmittel dürfen nicht über die Grenze mitgeführt werden. Gleich nebenan gibt es eine Apotheke wo Sabine mit dem Schweizer Rezept ohne Probleme ihre Medikamente besorgt. Viele Medikamente sind in Mexiko ohnehin Rezeptfrei erhältlich und dabei um einiges Günstiger wie in den USA, Kanada oder der Schweiz.

Grenzübertritt USA - Mexiko

Willkommen in Tecate Baja California, Mexico
Willkommen in Tecate Baja California, Mexico

Ein Wochenende in Francisco Zarco

87 Kilometer fährt uns Roger an diesem Freitag entlang der Ruta del Vino (Mex 3) durch die grüne Hügellandschaft ins Valle Guadaloupe bis nach Francisco Zarco. Die Hauptstrasse ist hier nicht so breit wie in den USA und weist vermehrt Unebenheiten und Schlaglöcher auf. Dafür gibt es einen Seitenstreifen auf den langsam fahrende Fahrzeuge (wie wir) ausweichen um anderen das überholen zu erleichtern. Die abgehenden Neben- und Zufahrtsstrassen sind in der Regel nicht geteert. Am Strassenrand sehen wir in Mexiko mehr Müll und insgesamt wirkt die Umgebung auch einiges ärmlicher und verwahrloster. Entlang der Strasse finden sich einige Olivenhaine und hin und wieder auch ein Rebberg. Wir erreichen das «Valle de Guadaloupe», wo jährlich etwa 2 Millionen Kisten Wein produziert werden. Zudem bietet die Region auch Gastronomisch einen typischen kulinarischen «Baja Med» Stil. Das macht das Tal zu einem beliebten Reiseziel bei Mexikanern. In den mexikanischen Orten wie Francisco Zarco findet das Leben auf der Strasse statt. So reihen sich alle Arten von Geschäften, Händlern, Dienstleistern, Imbissen und Restaurants entlang der Callle Principal und bieten ihre Waren feil. Sie ist übrigens die einzige geteerte Strasse im Ort.

Valle Guadaloupe, Rebberg

Valle Guadaloupe die Weinstrasse
Valle Guadaloupe die Weinstrasse
Rebberg mit Palmen, sieht man auch nicht alle Tage
Rebberg mit Palmen, sieht man auch nicht alle Tage
Ein fruchtbares Land
Ein fruchtbares Land

Sabine hat sich für einen Zwischenhalt die kleine Cervezeria Bellinghausen mitten in der rund 4’500 Einwohner zählenden Gemeinde herausgesucht. Das klingt nur teilweise spanisch, denn die Mutter der Besitzerin war deutscher Abstammung. Deutsch spricht hier jedoch niemand mehr, dafür neben spanisch aber auch englisch. Die Besitzerpaar ist sehr nett. Sie bewirten uns nicht nur mit einem guten Bier und einem Hamburger mit Pomme frites. Wir dürfen im geschützten Innenhof mit unserem Wiwomo auch das Wochenende verbringen. Hier steht bereits ein Expeditionsmobil auf der Basis eines «Volkswagen-LKW» aus Brasilien. Das junge Reisepaar fährt die Panamericana von Süd nach Nord und wartet an diesem Zwischenstopp auf eine Gerätelieferung. Wir geniessen die Gastfreundschaft, das Bier und gewöhnen uns an die mexikanische Kultur. Die Menschen leben hier in einfachen Behausungen und haben oft einen kleinen Garten oder Tiere für den Eigenbedarf. Sie begegnen uns unvoreingenommen, hilfsbereit und freundlich. Von der Besitzerin der Cervezeria erhalten wir viele Reisetipps und Empfehlungen. Zum Beispiel ist sauberes Trinkwasser auf der Baja nur in speziellen Geschäften, den «Purificadora de Agua», erhältlich, wo das Leitungswasser aufbereitet und gefiltert wird.

Cervezeria Bellinghausen

Cervezeria Bellinghausen
Cervezeria Bellinghausen
Cervezeria Bellinghausen
Cervezeria Bellinghausen
Unser Nachbar stammt aus Brasilien
Unser Nachbar stammt aus Brasilien

Entlang der Pazifikküste

Uns gefällt es in Francisco Zarco so gut, dass wir erst am Dienstag 10. Februar weiter fahren. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Pazifikküste und die Stadt Ensenada mit über 330’000 Einwohnern. Roger quält sich durch den dichten Stadtverkehr um Sabine einen grösseren Lebensmittel Einkauf im Walmart zu ermöglichen. Auch das war eine Tipp von unseren Gastgebern, denn weiter südlich findet man oft nur noch kleinere Geschäfte mit einer reduzierten Auswahl. Heil und froh kommen wir wieder aus der Stadt und setzen unsere Reise auf der wunderschönen Strecke der Mex 1 durch die Gebirgslandschaft fort. Wie grün und sanft die Hügel hier doch sind. Irgendwo auf unserer Stecke halten wir an und gönnen uns einen feinen Kaffee im Verkaufsladen mit Restaurant der «Quesos Dõna Lala». Dort kaufen wir nicht nur mexikanischen Käse sondern stocken unseren Vorrat mit Honig auf. Frisch gestärkt fahren wir den Rest der 187 Tageskilometer bis zur Rancho Valencia in Ejido Rubén Jaramillo. Die eingezäunte Freizeitanlage mitten auf dem flachen Land abseits des Dorfes, mit Bungalows, Campingplatz, Tennis- und Spielplatz, ist noch im Aufbau. Das Meer ist eine gute Stunde zu Fuss entfernt. Dafür dürfen wir kostenfrei übernachten. Tagsüber wird gewerkelt und gepflanzt aber die Nacht verläuft ruhig und friedlich.

MEX 1, VW Käfer, Quesos Dona Lala

Mex 1, mexikanische Autobahn
Mex 1, mexikanische Autobahn
Bis 30. Juli 2003 ist der VW Käfer in Mexiko produziert worden
Bis 30. Juli 2003 ist der VW Käfer in Mexiko produziert worden
Quesos Dona Lala, so ein hübsches Restaurant
Quesos Dona Lala, so ein hübsches Restaurant

Am nächsten Tag reisen wir erst nach dem Mittagessen ab. Bis zu unserem nächsten Übernachtungsort sind es nur gerade 62 Kilometer. Die Mex 1 führt uns mitten durch das fruchtbare flache Vorland an der Küste mit Blick auf das Gebirge auf der linken und das Meer auf der rechten Seite nach Süden. Im kleinen Ort Ejido Nueva Odisea finden wir Fidels Palapas RV Park. Hier bleiben wir drei Nächte bis zum Samstag. Fidel, der Besitzer, ist sehr freundlich. Er geleitet uns zu einem etwas höher gelegen Stellplatz mit Blick aufs Meer. Dann öffnet er uns ein Zimmer des kleinen Hotels wo wir eine grosse Dusche mit warmem Wasser benutzen dürfen. An der Fassade des Gebäudes hat es eine Steckdose zum Aufladen der Batterien unseres Wiwomos. Am Stellplatz sind Anschlüsse für Brauchwasser vorhanden. Für den Abfall gibt es bereitgestellte Tonnen. Alles ist sauber aber einfach gehalten zu einem günstigen Preis (200 Peso pro Nacht). Zum Schluss fragt uns Fidel, ob wir noch etwas brauchen und bietet uns an einzukaufen. Einmal mehr beweist uns Mexiko seine Gastfreundschaft. Die Temperaturen bewegen sich um 20°C, ein stetiger kühler Wind weht von Nordwest, der Himmel ist dabei oft Wolkenverhangen, ab und zu zeigt sich die Sonne. Dennoch geniessen wir die Tage am Meer, den feinen weisen Sand und die Ruhe am wenig besuchten weiten Strand.

Fidels Palapas RV

Dieses Schild steht auf der Autobahn, na so was?
Dieses Schild steht auf der Autobahn, na so was?
Fidels Palapas RV, gut bewacht von Fidels Hunde
Fidels Palapas RV, gut bewacht von Fidels Hunde
Sonnenuntergang am Meer
Sonnenuntergang am Meer

Ein blühender Wüstengarten

Es ist Samstag der 14. Februar als wir unsere Reise durch die Baja fortsetzen. 172 Kilometer auf der Mex 1 liegen vor uns. Zunächst fahren wir noch der Küste entlang. Doch bald windet sich die Strasse mal breiter mal schmäler durch das Gebirge, wo wir in El Rosario eine Pause einlegen. Zuerst werden die Dieseltanks bei Pemex aufgefüllt, dann bekommen wir im Restaurante Mi Casita ein zweites Frühstück mit Kaffee. Die Omelette schmeckt, ist aber auch nur zu amerikanischen Preisen zu haben. Nun führt uns die Mex 1 mitten durch die gebirgige Halbinsel nach Südwesten. Das Gebirge ist kaum bewohnt und so schlängelt sich die schier endlose Strasse über Hügel und Täler. Die Landschaft wird nun immer trockener und wandelt sich immer mehr zur Wüste. Jedoch ganz anders als man sich eine Wüste im Allgemeinen vorstellt. Vor Cataviña, dem einzigen Ort im Gebirge, suchen wir uns im Desert Cactus Wildcamp einen schönen Stellplatz. Wow – wir sind einfach nur fasziniert von diesem Wunder der Natur. Wir wähnen uns in einem riesigen blühenden Garten. In einer von Hügeln umgebenen grünen Landschaft sind grosse Sandsteinbrocken verteilt. Unzählige riesige Cardón- und andere Kakteen, Algaven, Ciriosbäume, Sträucher, Büsche und dazwischen Gräser und Blumen wachsen darin. Ja, die Wüste lebt und nach dem Regen am Dienstag erblüht sie gleich noch mehr.

El Rosario, Restaurante Mi Casita

Städtchen El Rosario
Städtchen El Rosario
Restaurant Mi Casita
Restaurant Mi Casita
Grünes Land, Berg, so haben wir es uns nicht vorgestellt
Grünes Land, Berg, so haben wir es uns nicht vorgestellt

Die Cardón-Kakteen können eine Höhe von 18 Metern erreichen und dabei 25 Tonnen auf die Waage bringen. Sie wachsen sehr langsam und werden oft bis zu 300 Jahre alt. Die mit den Saguaros verwandten Kakteen sind die grössten der Welt. Eine weitere Besonderheit die es nur hier gibt, ist der Cirios oder Boojum Baum. Kennzeichnend ist sein bis zu 16 Meter hoher sich verjüngender Stamm mit der gräulich, grünen und glatten Rinde. Aus dem Stamm spriessen zahlreiche, spiralförmig angeordnete, dünne Seitentriebe von etwa 30 bis 60 Zentimeter Länge. Diese sind mit Dornen bewehrt und zurzeit mit kleinen Blättern bewachsen. Die Blütenstände sind gehäuft auf der Baumkrone zu sehen. Eine anderer bemerkenswerter Baum ist der Elefantenbaum oder auch «Torote» genannte wasserspeichernder Sukkulentenbaum. Sein Markenzeichen ist ein für seine Grösse von nur wenigen Metern überdimensional wirkender Stamm mit seiner rötlich bis weissen Rinde und den gefiderten Blättern. Der langsam wachsende Baum ist extrem trockenresistent und wird oft als Zierpflanze oder Bonsai kultiviert. Nicht zu vergessen sind die vielen Agaven, die Jahrhundertpflanzen, welche in ihrem mehrere Jahrzehnte dauernden Zyklus nur einmal blühen. Aus dem Kern der blauen Agave wir übrigens der Tequila und der Mezcal hergestellt.

Über eine Woche, von Samstag 14. bis Dienstag 24. Februar, wohnen wir mitten in diesem wunderschönen blühenden Naturgarten. Bis Donnerstag standen wir völlig alleine in diesem kleinen Paradies, als sich eine allein reisende Deutsche in unserem Alter mit ihrem Van zu uns gesellte. Eigentlich wollte sie hier nur ein oder zwei Nächte verweilen, entschied sich aber doch das Wochenende hier zu verbringen. Wir haben uns angefreundet, gut unterhalten und ausgetauscht. Von ihr erhält Sabine auch eine Glas mit Agavensirup, welches sich ausgezeichnet zum Süssen von Speisen und Getränken eignet. Sie reist reist mit ihrem Van seit 1½ Jahren von Montevideo in Uruguay durch Süd- und Zentralamerika und hat dabei schon vieles erlebt. Nach 3 Monaten in Mexiko will sie noch weiter in den Norden, durch die USA und Kanada ans arktische Meer in Alaska. In den Nachrichten haben wir von den Unruhen, Brandstiftungen und Gewalttaten in Mexiko, vor allem im Bundesstaat Jalisco, in Zusammenhang mit dem Angriff und den Tod eines der einflussreichsten Kartel Bosse gehört. Hier auf der Baja ist von all dem Tumult aber nichts zu spüren und es bleibt ruhig. Eigentlich würden wir es hier noch länger aushalten, aber unsere Essensvorräte gehen langsam zur Neige. Zudem wollen wir doch noch etwas mehr von der Baja sehen.

Desert Cactus Wildcamp

Desert Cactus Wildcamp
Desert Cactus Wildcamp
Stenocereus thurberi, Orgelpfeifenkaktus
Stenocereus thurberi, Orgelpfeifenkaktus
Fire Barrel Cactus (Ferocactus)
Fire Barrel Cactus (Ferocactus)
Cardón-Kakteen
Cardón-Kakteen
Cardón-Kakteen, 18 m hoch, 25 Tonnen schwer, bis 300 Jahre alt werden
Cardón-Kakteen, 18 m hoch, 25 Tonnen schwer, bis 300 Jahre alt werden
Cirio (Fouqueria ) columnaris
Cirio (Fouqueria ) columnaris
Blühender Kaktus
Blühender Kaktus
Cardón-Kakteen ein kleines Model
Cardón-Kakteen ein kleines Model
Was für eine Abendstimmung
Was für eine Abendstimmung

Bahía de los Angeles am Golf von Kalifornien

Via Mex 1 und Mex 12 fahren wir am Dienstag 24. Februar 184 Kilometer durch die Berge an die Küste des Golf von Mexiko, nach Bahía de los Ángeles. Etwa in der Mitte der Strecke halten wir in einem der typischen mexikanischen Restaurants für einen Kaffee. Das «Restaurante Nuova Chapala» ist sehr sauber, mit der passenden Inneneinrichtung auch sehr ansprechend gestaltet und das Personal ist wie gewohnt freundlich. An der Abzweigung zur Mex 12 füllen wir beim kleinen Krämerladen einen Teil unserer Lebensmittel wieder auf. Die Strasse der Mex 12 durch die ausgeprägt trockene Wüstenlandschaft ist bis auf drei Umleitungen durch Baustellen recht gut zu befahren. Beim Militär-Checkpoint kurz vor unserem Ziel werden wir durchgewunken. Noch einmal halten wir im kleinen Fischer- und Touristenort beim Lebensmittelhändler und stocken unsere Vorräte weiter auf. Danach geht’s ans Meer zum Campo Archelon. Wir haben nicht Vorgebucht, aber der Campingplatz hat noch einen freien platz direkt am Strand für uns. Im zugehörigen Restaurant geniessen wir am späten Nachmittag feine mexikanische Quesadillas und dazu ein kühles Bier. Am Abend machen wir es uns dann im Wiwomo beim rauschen des Meeres und wehendem Wind gemütlich – gute Nacht.

Die abgelegene Bucht und der Ort Bahía de los Ángeles, also die Bucht der Engel, mit seinen rund 1’000 Einwohnern, ist ein Naturparadies. In der Hauptsaison im Dezember, wenn das Meer noch warm ist tummeln sich hier zudem viele Touristen. Der Ort bietet erstklassige Möglichkeiten zum Sonnenbaden, Schnorcheln mit Walhaien und Mantas, Delfin- oder Wal-Beobachtungen mit dem Boot, Kajaktouren und Vogelbeobachtungen zu den vorgelagerten Inseln, dem Besuch der Meeresschildkröten-Schutzstation oder etwa einen Spaziergang am Sandstrand zu den Seesternen. Eine weitere Möglichkeit ist die Erkundung der Wüste oder der ehemalien Gold- und Silber-Minen der Sierra San Borrja. Um diese Jahreszeit, im Februar, ist das Meer aber doch merklich kühler, die Hauptsaison ist bereits vorbei und viele Geschäfte sind gar nicht erst geöffnet. Die meisten Camper wie wir sind hier für ein paar Tage auf der Durchreise. Darunter viele «Gringos» aber auch ein Radfahrer auf seiner Tour von Brasilien nach Alaska. Das wäre wohl nichts für uns. Zwei Tage und Nächte verweilen wir an diesem schönen Ort, geniessen das Meer, das Panorama und die heissen Duschen. Am Donnerstag geht unsere Fahrt 68 Kilometer zurück an die Kreuzung der Mex 1 und Mex 12 im Valle de los Cirios.

Restaurante Nuova Chapala, Bahía de los Ángeles

Restaurante Nuova Chapala
Restaurante Nuova Chapala
Restaurante Nuova Chapala, die Wanddekoration aus Kakteen
Restaurante Nuova Chapala, die Wanddekoration aus Kakteen
Willkommen in Bahía de los Ángeles
Willkommen in Bahía de los Ángeles
Kreisel in Bahía de los Ángeles
Kreisel in Bahía de los Ángeles
Der Rennvogel
Der Rennvogel
Campingplatz Archelon
Campingplatz Archelon

Weiter kommen wir heute nicht, denn auf halber Strecke gibt es plötzlich einen Knall und ein metallenes Geräusch ertönt. Wir halten an um nachzusehen ob wir etwas überfahren oder verloren haben, können aber offensichtlich nichts feststellen. Die Motorwarnleuchte geht an und der Motor läuft nur noch im Notbetrieb. Das bedeutet wir fahren mit minimaler Kraft und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 20 Stundenkilometern durch die trockene heisse Wüste. Heilfroh erreichen wir nach einer gefühlten Ewigkeit die Strassenkreuzung wo es ein Hotel, Lebensmittel, Wasser und einen Mechaniker gibt. Der Automechaniker sucht erfolglos nach dem Fehler und auch weitere Mexikaner bieten uns ihre Hilfe an. Dank «Starlink» können wir mit unserer Werkstatt in der Schweiz kommunizieren. Bedingt durch die Zeitverschiebung erhalten wir, nach einer unruhigen Nacht, eine Nachricht mit der wir den Fehler eruieren und selbst beheben können. Das Problem war zum Glück nicht die Abgasreinigungsanlage sondern ein abgerissener Luftschlauch der Ladedruckanlage. Der Schlauch ist noch ganz, die Schlauchschelle haben wir nicht verloren und so ist die Panne schnell behoben. Hurra und ein herzliches Dankeschön, Thank You, Gracias an alle Helfer – wir können weiterfahren.

Autopanne

Brückenbau in Baja California
Brückenbau in Baja California
Motor läuft im Notbetrieb
Motor läuft im Notbetrieb
Das ist die Ursache, der Luftschlauch der Ladedruckanlage ist undicht
Das ist die Ursache, der Luftschlauch der Ladedruckanlage ist undicht

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