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Da stehen wir,vor dem Grand Canyon

02.06_Amerika – 1. Etappe – Arizona

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Arizona

Besonderes

Arizona, der Grand Canyon State, wurde am 14. Februar 1912 als 48. Bundesstaat und damit als letzter der zusammenhängenden Staaten in die Union aufgenommen. Die letzten beiden Staaten sind Alaska und Hawaii. Im Süden ist Arizona durch sein Wüstenklima mit extrem heissen Sommern und milden Wintern geprägt. Wegen der Trockenheit wachsen hier viele Kakteen, Palmlilien und Mesquite-Bäume. Im Norden, auf dem Colorado-Plateau mit seinen Nadelwäldern und Gebirgen auf rund 1500 bis 2000 m ü.M., herrschen im Sommer deutlich gemässigtere Temperaturen aber auch erhebliche Schneefälle im Winter. Hier soll es noch Weisswedel- und Maultierhirsche sowie Wapiti, Gabelböcke und Dickhornschafe geben. In abgelegenen Berggebieten leben noch vereinzelt Bären, Pumas oder Jaguare. Diese beiden klimatischen Gegensätze sowie die besonderen Felsformationen die man hier antrifft machen Arizona so besonders.

Arizona ist die Heimat einer vielfältigen Bevölkerung. Hier leben 27 staatlich anerkannte Indianerstämme. Etwa ein viertel der Landfläche sind daher Indianerreservate. Das grösste Reservat des Bundesstaates und der USA bildet die Navajo Nation mit mehr als 350000 Einwohnern auf 71030 km². Das steht allerdings nicht im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von 7,6 Mio. Mittlerweile sind, aufgrund der Zuwanderung aus Mexiko, über 30% der Bevölkerung Hispanoamerikaner. Seit 2003 bringt die hispanische Bevölkerung mehr Kinder zur Welt als die nicht-hispanische Bevölkerung, und es ist davon auszugehen, dass Lateinamerikaner im Jahr 2035 die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden. Ein beträchtlicher Anteil bekennt sich zur katholischen Kirche oder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen).

Arizona

Arizona

Die Strassen von Arizona

Es ist Donnerstagvormittag der 6. November 2025 als wir auf dem Highway 93 über die Imposante Brücke von Nevada nach Arizona fahren. Der Highway ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Westen der USA. Er beginnt am Highway 60 bei der Kleinstadt Wickenburg, etwa 90 Kilometer von Phoenix entfernt und führt bis zur kanadischen Grenze in British Columbia. Wir fahren die Strecke in südlicher Richtung bis Kingman, die zu einem grossen Teil richtungsgetrennt ist und Anschlussstellen wie unsere Autobahnen in Europa besitzt. Teilweise sind auch Geschwindigkeiten bis 75 Meilen pro Stunde (120 km/h) erlaubt. Trotzdem handelt es sich nicht um einen Freeway, da immer wieder Kreuzungen, Ampeln, direkte Grundstückeinfahrten, Bahnübergänge und dergleichen vorkommen können. Anders wie in Nevada ist hier die Strasse in einem schlechten Zustand, weshalb wir mit maximal 80 km/h unterwegs sind. Schlaglöcher, unebene Fahrbahnen, Absätze, Quer- und Spurrillen, grober oder bröckelnder Belag sind allgegenwärtig und fordern unsere Aufmerksamkeit. Einige Kreuzungen mit Lichtsignalen oder Warnschilder vor Tieren auf der Strasse bremsen uns ebenfalls aus. Wir werden wie selbstverständlich ständig überholt, auch von grossen Lastwagen, die hier einfach durchbrettern. Wir fragen uns schon wie die Amis das mit den Reifen, Stossdämpfern, Federn und Achsen machen und wie deren Bremsweg aussieht.

Wie in den letzten Tagen auch, befinden wir uns immer noch in der Mojave Wüste. Die Landschaft im Mohave County in Arizona erscheint uns aber doch etwas anders. Tafelberge umgrenzen die verschiedenen Geländekammern. In der Geröllwüste wachsen vermehrt auch verschiedene Kakteen zwischen den trockenen Büschen. Links und rechts der Strasse tauchen hin und wieder einzelne Siedlungen oder Ranges auf. Ab und zu werden Grundstücke zum Verkauf angeboten. Einige Grundstücke dienen einfach nur als Müllhalde. Am Strassenrand fällt uns der viele Abfall und die vielen kaputten Reifenteile auf. Viele abgehende Nebenstrassen sind einfache Gravel Roads. Auf den schmalen Standstreifen ist immer wieder mit einem stehenden Auto oder Lastwagen zu rechnen. Trotz voller Konzentration, vorausschauendem fahren, Rückspiegel beachten und immer wieder die beste Spur suchend, haben wir einige Bodenwellen übersehen. Unser Fuso quittiert dies direkt mit aufschaukelnden Bewegungen und aufschlagenden Blattfedern. Das einschlägig bekannte Problem mit den Federn und Dämpfern wollen wir zurück in Europa näher untersuchen. Wir sind bald am Ziel unserer Tagesetappe, der Highway 93 steigt nun stetig an und nach 185 Tageskilometern erreichen wir Kingmann.

Autobahn in USA, Kingman, Kakteen

Autobahn in Amerika
Autobahn in Amerika
Autobahn in Amerika
Autobahn in Amerika
Autobahn in Amerika
Autobahn in Amerika
Willkommen in Kingman AZ
Willkommen in Kingman AZ
Was für Kakteen
Was für Kakteen
Kaktus
Kaktus

Stories in Kingman

Die Stadt Kingman liegt an der legendären Route 66. Das ist auch der Grund weshalb wir in der Stadt Quartier beziehen. Mit ihren rund 35’500 Einwohnern ist sie der Verwaltungssitz des Mohave County. Kingman bildet einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt an der Interstate 40 und dem Highway 93 sowie der alten Fernverkehrsverbindung Arizona State Route 66. Die Stadt wurde nach dem Eisenbahn-Konstrukteuer Lewis Kingman benannt. Sie wurde 1882 gegründet, nachdem in den umliegenden Bergen Gold und Silber gefunden und eine Bahnlinie erbaut wurde. Später führte die Fernstrasse durch den Ort. Die Stadt ist über die Jahre stetig gewachsen. Mit dem Bau des Interstate-Netzes (Autobahn) in den 1960er Jahren rauschte der Verkehr aber an der Stadt vorbei und sie geriet, wie andere Orte an der Route 66 auch, ins Abseits. Erst mit der Wiederbelebung der Route 66 für Touristen und Nostalgiker hat die Stadt eine neue Bedeutung als Zwischenstopp bekommen. Doch zuerst heisst es für uns ein passendes Nachtquartier zu finden. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Travel Center (LKW-Raststätte) ohne Ruhe und ohne freies WiFi-Netz. Bei der zweiten Raststätte mit 24 Stunden Waschanlage, erfahren wir dasselbe, nur noch lärmiger. Erst die dritte und vierte Nacht auf dem Parkplatz des Baumarkts «The Home Depot» bringt uns die nötige Ruhe und ein brauchbares WiFi-Signal.

Kingman

Willkommen in Kingman
Willkommen in Kingman

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt Kingman sind überschaubar und gut an einem Tag zu besichtigen. Bevor wir am Samstag ein neues Nachtquartier beziehen, besuchen wir die «Altstadt» von Kingman. Zuerst geht es ins «Mohave Museum of History and Arts». Sehr interessant wird uns dabei die Geschichte der Besiedlung des Landes durch die First Nation und die ersten Siedler illustriert. In einer Bildergalerie sind alle US-Präsidenten mit Ehefrauen abgebildet. Wir erfahren auch einiges über den Schauspieler Andy Devine (Geboren 1905 in Flagstaff) und finden im Souveniershop auch ein Plakat von John Wayne. Das zweite Museum über die Route 66 liegt gleich nebenan. Es widmet sich vor allem dem Thema Verkehr auf der ehemaligen Fernstrasse, beginnend vom Transport mit Maultieren, über Pferdekutschen, der Eisenbahn bis zu alten und neueren Autos und Lastwagen. Dazu gibt es noch eine Sonderausstellung über die Entwicklung von elektrischen Fahrzeugen, sowie einen grossen Souvenier-Shop. Nach soviel Geschichte schlendern wir mit Kiara durch die hübsche alte Down Town von Kingman. Hier finden sich noch restaurierte Gebäude wie etwa das Postamt, das Schulhaus, das Gerichtsgebäude, das Gefängnis und das Hotel der Eltern von Andy Devine. Daneben laden Restaurants und verschiedene Shops zum flanieren ein. Zum Mittagessen setzten wir uns in den Aussenbereich der «Grand Canyon Brewing & Distillery».

Mohave Museum of History and Arts, US-Präsidenten, John Wayne

Wer hätte es gedacht, wir befahren die Route 66 Eingang zum Mohave Museum
Wer hätte es gedacht, wir befahren die Route 66 Eingang zum Mohave Museum
In der Zeit zurück versetzt
In der Zeit zurück versetzt
Kein einfaches Leben
Kein einfaches Leben
1789 bis 1797 Washington George und Martha
1789 bis 1797 Washington George und Martha
2009 bis 2017 Obama Barack und Michelle
2009 bis 2017 Obama Barack und Michelle
John Wayne als Puzzle
John Wayne als Puzzle

Arizona State Route 66

Es ist Montag der 10. November, wir beginnen unsere Tour über die alte Fernstrasse, die Route 66. Die Strasse führte ursprünglich über beinahe 4000 Kilometer quer durch Amerika von Chicago (Ilinois) nach Santa Monica bei Los Angeles (California). Sie war ab 1926 eine der ersten und zugleich auch eine der wichtigsten durchgehend befestigten Strassenverbindungen zur Westküste. Anfangs zog es viele verarmte Farmer und Landarbeiter aus Oklahoma und Texas nach jahrelangen Dürren, nach Westen (Go West!) wo sie in Kalifornien ihr Glück suchten. Diese Flucht in den Westen wurde im Roman «Früchte des Zorn» von John Steinbeck verewigt. Die Strasse verbesserte die örtliche Infrastruktur und Wirtschaft. Motels, Tankstellen, Saloons, Restaurants und Schnellimbisse blühten auf oder entstanden neu. Auch nach dem zweiten Weltkrieg zog es immer mehr Menschen in den Westen wo es durch die aufblühende Wirtschaft gute Jobs gab. Die einfache, kurvenreiche und einspurige Strasse vermochte bald den zunehmenden Verkehr nicht mehr zu bewältigen, worauf sie allmählich durch ein Fernstrassennetz (Interstates), mit Autobahnen wie etwa in Deutschland, ersetzt wurde. Heute hat die Route 66 offiziell ihren Namen verloren und existiert nur noch als historische Route. Verklärt etwa in Filmen wie «Easy Rider» hat sie bis heute ihren Mythos nie ganz verloren.Wir folgen 

 Historic Route 66 von Kingman bis Ash Fork nach Osten. Das sind insgesamt 182 Kilometer, immer leicht ansteigend, auf der ursprünglichen Strecke. Passend zum Thema hören wir uns auf der Fahrt das Lied «Born to by wild» von Steppenwolf an. Kurz nach Kingman fahren wir noch beim ehemaligen Airport vorbei und betrachten die vielen ausgedienten Flugzeuge die hier in der Wüste stehen. In Antares halten wir wiederum und sehen uns eine zum Souvenier- und Kunst-Shop umfunktionierte alte Tankstelle mit Motel an. Auf der ganzen Strecke finden sich ähnliche Touristenspots mit allerlei Nostalgie, Kunst und Trödel. Gegen Mittag erreichen wir Peach Springs. Der Ort liegt im heutigen Reservat der Hualapai und hat mit Pfirsichbäumen die an einer Quelle stehen wenig gemein. Das karge Land gibt nicht viel her. Die Menschen leben vom Tourismus, von etwas Viehzucht und vom Verkauf von Holz und Körben. Viele verlassen das Reservat um ihren Lebensunterhalt mit Lohnarbeit zu verdienen. Beim hispanoamerikanischen Strassenhändler bestellen wir einen Burrito zum Mittagessen im Route 66 Park. Frisch gestärkt fahren wir weiter, vorbei an den Grand Canyon Kalksteinhöhlen und durch den Ort Seligman – Go East! In Ash Forks finden wir auf der kleinen LKW-Raststätte «One9» einen relativ ruhigen Ort zum Schlafen. 

Historic Route 66 von Kingman bis Ash Fork, Antares

Historisch Strasse 66
Historisch Strasse 66
Hundepark in Kingman
Hundepark in Kingman
Typisch in Amerika
Typisch in Amerika
Die berühmteste Strasse in Amerika, Route 66 von Kingman nach Ash Fork
Die berühmteste Strasse in Amerika, Route 66 von Kingman nach Ash Fork
Kakteen dürfen nicht fehlen
Kakteen dürfen nicht fehlen
Alte Tankstelle und Souvenier Laden an der Route 66
Alte Tankstelle und Souvenier Laden an der Route 66

Drive True durch Bearizona

Am Dienstag, 11. November, haben wir zwei ganz besondere Highlights vorgesehen. Wir verlassen die Route 66 und folgen ihrem Ersatz, der Interstate 40, nach Osten bis zum Ort Williams. Die Strecke führt uns noch höher, an den Rand des Colorado-Plateau auf etwa 2’000 Meter. Doch bevor wir nach Norden auf den Higway 64 abbiegen, besuchen wir den «Bearizona Wildlife Park». Der Tierpark ist in einen «Drive Thru» und einen «Walk Thru» Teil gegliedert. «Drive Thrus» sind in Nordamerika generell sehr beliebt – der Amerikaner läuft nicht, er fährt. Das ist nicht nur bei Fastfood Ketten so, sondern auch bei Banken, Lebensmittelgeschäften oder wie hier im Tierpark. Ein «Drive In» wie in Europa gibt es in Amerika kaum, man fährt ja nicht ins Geschäft. Mit unserem Wiwomo fahren wir daher zunächst nicht zum Parkplatz, sondern an die Zahlstation. Hier werden wir zudem gewissenhaft über das Verhalten im Tierpark informiert. 33 Dollar pro Person für den Eintritt ist zwar kein Schnäppchen, aber mit einem einmaligen Erlebnis verbunden. Sogleich geht die Fahrt geradewegs durch die Tiergehege, wie bei einer Safari. Kiara darf dabei vorne auf ihrem Platz bleiben, wo sie einen guten Ausblick geniesst. Die Fenster bleiben aber geschlossen.

Drive True durch Bearizona

Bearizona Wildlife Park
Bearizona Wildlife Park
amerikanischen Bergziegen
amerikanischen Bergziegen
Hirsche und Rehe
Hirsche und Rehe
Wir fahren wirklich durch den Zoo
Wir fahren wirklich durch den Zoo
Kleine Western Stadt im Zoo
Kleine Western Stadt im Zoo
Kleine Western Stadt im Zoo
Kleine Western Stadt im Zoo
Tundra Wölfe
Tundra Wölfe
Heulende Tundra Wölfe
Heulende Tundra Wölfe
arktische Wölfe
arktische Wölfe
Da kommt er, der arktische Wolf
Da kommt er, der arktische Wolf
junge Schwarzbären
junge Schwarzbären
Putzige junge Schwarzbären
Putzige junge Schwarzbären
Weisse Bisons
Weisse Bisons
Amerikanische Bisons
Amerikanische Bisons
Weisse und amerikanische Bisons
Weisse und amerikanische Bisons
Erwachsene Schwarzbären
Erwachsene Schwarzbären
Erwachsene Schwarzbären
Erwachsene Schwarzbären
Weiter zum Walk Thru Bereich, von hier wird per Fuss besichtigt
Weiter zum Walk Thru Bereich, von hier wird per Fuss besichtigt

In langsamer Fahrt, im ersten Gang bei Standgas,besuchen wir zuerst die amerikanischen Bergziegen, die «Rocky Mountains Goas». Diese haben wir bisher auf unserer Reise durch Kanada und Amerika noch nicht zu Gesicht bekommen. Danach folgen verschiedene Hirsche und Rehe. Sehr eindrücklich sind auch die heulenden Tundra Wölfe in nächster Nähe zu beobachten. Vorbei an der Kulisse einer alten Goldgräberstadt gelangen wir zu den arktischen Wölfen. Die putzigen jungen Schwarzbären haben wiederum ein eigenes Gehege. So jung wie sie sind, so verspielt sind sie denn auch. Vorbei an weissen und amerikanischen Bisons und Dickhorn Schafen folgen im nächsten Gehege die grösseren erwachsenen Schwarzbären. Nach dieser phantastischen Fahrt parken wir unser Wiwomo und besuchen ohne Kiara den «Walk Thru» Tierpark. Hier gibt es Leoparden, Fischotter, Dachse, Rotfüchse, Stachelschweine, Waschbären, Luchse und Bären zu sehen. Speziell ist auch das Erlebnis drei ausgewachsenen Grizzlys, durch eine Scheibe getrennt, ganz nahe zu kommen. Wow, wo gibts denn sowas? Im Tierpark gibt es natürlich auch verschiedene Souvenierläden und Restaurants. Auf das besondere Erlebnis stossen wir mit einer Pepsi-Cola (Sponsor des Tierparks) an und geniessen dabei typisch amerikanisch einen Hot Dog.

Walk Thru durch Bearizona

Willkommen im Bearizoa Walk Thru Bereich
Willkommen im Bearizoa Walk Thru Bereich
Stolze Leopard
Stolze Leopard
Freche Fischotter
Freche Fischotter
Wachsamer Dachs
Wachsamer Dachs
Flinker Rotfuchs
Flinker Rotfuchs
Lustige Waschbären
Lustige Waschbären
Schöner Luchs
Schöner Luchs
Ausgewachsene Grizzly Bär
Ausgewachsene Grizzly Bär
Ausgewachsene Grizzly Bär
Ausgewachsene Grizzly Bär

Auf zum Grand Canyon

Frisch gestärkt und voller Eindrücke fahren wir noch am selben Tag weiter zu unserem zweiten Highlight, dem Grand Canyon. Etwas mehr wie 100 Kilometer in nördlicher Richtung geht die Fahrt zuerst durch einen Nadelwald und dann über weite Strecken durch eine steppenartige flache Gras- und Buschlandschaft. Kurz vor dem Ziel wird das Buschwerk dichter und geht schliesslich in einen Kiefernwald über. Wir fahren durch den Ort Tusayan und das unbesetzte südliche Eingangsportal in den Nationalpark. Beim geschlossenen Visitor Center am Mather Point finden wir einen Parkplatz. Mittlerweile ist es 15 Uhr. Über einen gut ausgebauten Spazierweg stehen wir zum ersten mal in unserem Leben am Rande des Grand Canyon. Wir sind tief beeindruckt über die Gewaltigkeit dieses Naturphänomens, über die Kräfte die über Jahrmillionen solches geschaffen haben. Noch rechtzeitig vor dem Eindunkeln finden wir im Kaibab National Forest bei Tusayan einen ruhigen Übernachtungsplatz auf einer Anhöhe im Wald. Wir sind nicht die einzigen, die den Forstwald zum campen nutzen. Platz gibt es genug, man kann sich weit voneinander entfernt aufstellen und zum Grand Canyon sind es nur gerade 15 Kilometer. Vor einigen Wochen müssen auch Jäger hier gewesen sein, denn in der Nähe finden wir die Überreste von mindestens fünf Hirschen (Knochen, abgetrennte Beine und Felle).

Grand Canyon

Grand Canyon
Grand Canyon
Einfach überwältigend
Einfach überwältigend
Da stehen wir,vor dem Grand Canyon
Da stehen wir,vor dem Grand Canyon

Nach zwei Tagen im Wald fahren wir nochmals zum Nationalpa rk Grand Canyon. Heute Donnerstag am 13. November, nach 43 langen Tagen, ist der Shutdown in den USA zu Ende. Das bedeutet für uns, warten auf die Kontrolle am Eingangsportal. Das Visitor Center ist leider immer noch geschlossen. Zwei Routen gibt es um den Grand Canyon zu erkunden. Die Westroute zu den Aussichtspunkten und Trails ist nur mit dem Shuttlebus und ohne Hund zugänglich. Die Ostroute, der Dessert View Drive, kann mit dem eigenen Fahrzeug befahren werden. Bevor wir die Ostroute wählen, besuchen wir nochmals den Mather Point mit dem grandiosen Blick in den Canyon und das umfangreiche Feriendorf, die Village, inklusive eigenem Bahnhof. Auf dem Weg nach Osten, entlang des Canyon, halten wir an den verschiedenen Aussichtspunkten und lassen den Canyon auf uns wirken. Am Grandview Point essen wir zu Mittag im Wiwomo. Hier stand früher einmal das erste Hotel am Grand Canyon (1898-1919), bevor eine Bahnlinie das «Village» erschloss. Der Eigner, Pete Berry, arbeitete zudem in der nahe gelegen Kupfermine im Canyon. Am ende der Panoramastrasse steht ein 1936 erstellter kunstvoller Wachturm, welcher eigens für touristische Zwecke geschaffen wurde. Durch den unbesetzten Osteingang verlassen wir den Nationalpark und finden wiederum im angrenzenden National Forest ein ruhiges Quartier für die nächsten zwei Tage und Nächte.

Grand Canyon Gateway, Aussichtspunkten, Wachturm

Grand Canypn Gateway
Grand Canypn Gateway
Beeindruckend
Beeindruckend
Wachturm, für die Touristen
Wachturm, für die Touristen
Überwältigende Aussicht Grand Canyon
Überwältigende Aussicht Grand Canyon

Durch die Reservation nach Page

Schön war die Zeit im Kaibab National Forest, auch wenn in der Nacht Kojoten heulen und Roger sich mit Kiara im trockenen Kiefernwald verlaufen hat. Wir entschliessen uns am Samstag weiter zu fahren. Einerseits gehen unsere Vorräte zur Neige und andererseits soll ab Dienstag das Wetter auf dem Hochplateau umschlagen mit Minustemperaturen, Sturm, Regen und Schnee. Ein weiteres Highlight wollen wir dennoch nicht auslassen. Über den Highway 64 nach Osten gelangen wir zur «Navajo Nation Reservation». Im Reservat halten wir am Aussichtspunkt zum «Little Colorado River Gorge» und blicken in die tiefe Schlucht mit dem ausgetrocknetem Flussbett. Hier erklingt übrigens ein sehr gutes Echo wie Roger feststellt. Informationstafeln verschaffen uns zudem einen ersten Eindruck über die Kultur der Dané (Navajo). Das Gebiet der Navajo oder in ihrer Sprache auch Diné, erstreckt sich über eine Fläche etwa so gross wie Irland. Mit über 350000 Angehörigen ist es das grösste aller indigenen Völker der USA. Früher lebte das Volk zu einem grossen Teil vom Ackerbau. Das ist in diesem kargen «Badland», aber kaum möglich. So suchen sich viele ihren Lebensunterhalt ausserhalb der Reservation, etwa in Kalifornien.

Little Colorado River Gorge (Jodel)

Kleine Colorado River Gorge
Kleine Colorado River Gorge
Die tiefe Schlucht mit dem ausgetrocknetem Flussbett
Die tiefe Schlucht mit dem ausgetrocknetem Flussbett
Echo mit Jodelgesang
Echo mit Jodelgesang

Im Ort Cameron fahren wir auf den Highway 89 nach Norden. Entlang der Strasse gibt es nebst Steinen, Sand und Hügeln in unterschiedlichen Variationen nicht viel zu sehen. Hin und wieder taucht eine Hütte, eine kleine Rinder Farm oder eine Barackensiedlung auf. Am Strassenrand finden sich alle paar Meilen Verkaufsstände der einheimischen mit Kunst- und Schmuckartikeln. Kurz vor unserem Tagesziel steigt die Strasse bei Bitter Springs wieder an, wir überqueren den Antelope Pass und fahren dann nordöstlich auf unser Ziel zu. Kurz vor der Stadt Page, am Lake Powell Stausee, halten wir nochmals um den Aussichtspunkt «Horseshoe Bends» zu besuchen. Von hier aus bietet sich ein grandioser Blick auf eine Flussschleife des Colorado River. In der Kleinstadt Page, gegründet 1957, stellen wir uns auf den Parkplatz des Lebensmittelgeschäftes Walmart. Nun können wir Einkaufen und übernachten auch gleich hier. Am Sonntagvormittag haben wir eine geführte Tour durch die Antelope X Canyons im Reservat gebucht (70 Dollar pro Person). Mit dem Kleinbus werden wir durch die Wüste zum Eingang chauffiert und steigen in den engen Canyon ab. Es sind Wind, Sand und Wasser welche diese phantastischen Rundungen in den weichen Sandstein geschliffen haben (siehe Fotos). Wir sind einfach nur tief beeindruckt. Der kurze Regenschauer stört uns nicht. Nach dem Mittagessen im Wiwomo fahren wir anschliessend wieder rund 15 Kilometer zurück nach Page und übernachten wiederum auf dem Walmart Parkplatz.

Horseshoe Bends, Page, Antelope X Canyons

Berühmte Horseshoe Bends
Berühmte Horseshoe Bends
Horseshoe Bends
Horseshoe Bends
Weiter nach Page (Kleinstadt)
Weiter nach Page (Kleinstadt)
Antelope X Canyons
Antelope X Canyons
Eingang in die Schlucht
Eingang in die Schlucht
Wie in einer anderen Welt
Wie in einer anderen Welt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Weiche Sandstein
Weiche Sandstein
Weiche Sandstein
Weiche Sandstein
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt
Wind, Sand und Wasser haben es geformt

In den Süden von Arizona

Es ist Montag der 17. November. In der Nacht hat sich der Wetterumschwung mit leichtem Regen bereits angekündigt. Höchste Zeit um nach Süden das Hochplateau zu verlassen. Wir fahren den Highway 89, soweit es die Strassenverhältnisse zulassen, zügig zurück nach Cameron. An der Tankstelle füllen wir unseren Dieselvorrat auf. Im grossen Souvenirshop der «Cameron Trading Post» sehen wir uns um und staunen über die vielen kunstvollen Objekte. Töpferwaren, Traumfänger, Bilder, handgewebte Teppiche und so weiter in allen Preisklassen bieten sich an. Ganz besonders beeindruckt sind wir von der Teppich-Webkunst der Diné. Im hinteren Teil befindet sich ein geräumiges und gemütliches Restaurant mit Blick auf den Little Colorado Canyon. Wir bestellen uns einen einheimischen Gemüseeintopf mit Rindfleisch. Das schmeckt richtig lecker und ist eine willkommene Abwechslung zum in Amerika üblichen Fast-Food. Der Service im Restaurant ist zudem sehr freundlich und professionell. Frisch gestärkt nehmen wir die Fahrt nach Süden wieder auf und erreichen Flagstaff nach 215 Kilometern. Gerade noch rechtzeitig vor dem nächtlichen Regen stellen wir uns auf den Parkplatz des Home Depot. In der Nacht regnet es immer mal wieder, doch es ist ansonsten Ruhig und wir haben festen Untergrund unter den Rädern.

Regenbogen

Regenbogen
Regenbogen

Dienstagmorgen, mit 6 Grad Celsius ist es deutlich kälter geworden hier in Flagstaff auf rund 2100 m ü.M. Wir fahren weiter nach Süden, hinunter vom Colorado-Plateau in Richtung Phoenix. Dabei machen wir einen kleinen Umweg über den Highway 89A. Die kurvenreiche Strecke führt uns hinunter in ein enges Tal, den Oak Creek Canyon, welches sich bei Sedona im Verde Valley weitet. Bäume und Wiesen grünen hier in diesem fruchtbaren Tal auf rund 1300 m ü.M. besonders schön. Sedona ist mittlerweile eine grosse Feriendestionation, etwa vergleichbar mit Banff in Kanada. Jährlich reisen zwischen zwei und drei Millionen Besucher wegen der Naturschönheiten und dem milden Klima hier her. Wir fahren weiter via Highway 179 und Interstate 17, die uns immer weiter hinunter in die Wüstenebene des «Valley of the Sun» auf rund 400 Meter bringt. Regen, Wolken und Sonne wechseln sich auf unserer Fahrt ab. Gegen Abend werden die Wolken zunehmend Dunkler und ein Gewitter zieht auf. Nach 210 abwechslungsreichen Kilometern haben wir gerade noch rechtzeitig die Grossstadt Phoenix erreicht. In den Nachrichten hören wir zwei Tage später von Schnee in Flagstaff, starken Regenfällen in Sedona und überfluteten Strassen bis in die Ebenen des Tals der Sonne. Wie es uns weiter ergeht erfahrt ihr im nächsten Teil unseres Reiseberichtes.

Sedona – grünes Tal

Willkommen in Sedona
Willkommen in Sedona
Schon lange keinen Regen mehr erlebt
Schon lange keinen Regen mehr erlebt
Was für eine Pracht, herrlich
Was für eine Pracht, herrlich

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